16. April 2018

Via Sarajevo nach Srebrenica

Hello 🙂

Stari most Mostar

nachdem wir uns aus den Betten des jugoslawischen Charme verbreitenden Hotels Bristol in Mostar gequält hatten, ging es zunächst einmal zur „stari most“, der alten Brücke in der Altstadt Mostars, welche die Neretva überspannt. Jene erlangte traurige Berühmtheit durch ihre Zerstörung während des Bosnienkrieges 1993. Die Brücke galt seit jeher als Symbol für die Verbindung zwischen „Ost“ und „West“, da sie das den deutlich bosniakisch geprägten Teil der Stadt mit dem kroatisch geprägten verband. Dank zahlreicher finanzieller Hilfen wurde die Brücke nach Ende des Krieges wiederaufgebaut.

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Partizansko groblje Mostar

Nachdem wir die alte Brücke besichtigt hatten, ging es noch zu einem anderen Punkt, ob deren Sehenswürdigkeit man bestimmt streiten kann. 😉 Dem Parisanen-Denkmal von Mostar. Es wurde einst zu kommunistischen Zeiten als Denkmal für die gefallenen Partisanen errichtet, die im 2. WK kämpften. Seit dem Ende des Kommunismus im jugoslawischen Raum verfällt das Denkmal und seitdem gibt es nichtmal mehr ein Hinweisschild. Die Szenerie gleicht einer Kulisse aus einem gruseligen Film oder von Game of Thrones. 😛

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Neretva-Brücke

Auf dem weiteren Weg nach Sarajevo kamen wir noch an der zerstörten Eisenbahnbrücke über die Neretva von Jablanica vorbei. Die Brücke wurde im 2. Weltkrieg gesprengt, später wieder aufgebaut, 1969 im Rahmen von Dreharbeiten eines Films, der den Hergang der damaligen Kampfhandlungen zeigen sollte, erneut gesprengt, um möglichst authentische Szenen zu erhalten. Ironischerweise haben es die Aufnahmen nie in den Film geschafft, da die Detonation zuviel Rauch und Staub entwickelte und die Szenen nicht verwendbar waren.

neretva bridge jablanica

Danach ging es den restlichen Weg nach Sarajevo. In Sarajevo haben wir uns auf die teilweise erstaunlichen, teilweise sehr gruseligen Ruinen vergangener Zeiten konzentriert:

Sarajevo war tunnel museum

Während der mehrjährigen Belagerung von Sarajevo wurde unter der Landebahn des Flughafens von Sarajevo in Handarbeit ein Tunnel gegraben, der vorbei an den Besatzern und der UN die Versorgung der Bevölkerung sicherstellte. Leider haben die auf den Krieg folgenden Regierungen kein Interesse an diesem historisch und menschlich wertvollen gezeigt und der größte Teil des Tunnels ist verfallen. Ein kurzes Stück sowie die Hintergründe kann man in diesem Museum jedoch besichtigen.

Der erhaltene Tunnelabschnitt ist sehr authentisch und man bekommt sofort ein beklemmendes Gefühl wenn man ihn durchschreitet und eine grobe Ahnung, was damals abgegangen sein muss und was für eine Leistung hier vollbracht wurde.

sarajevo war tunnel museum sarajevo war tunnel museum sarajevo war tunnel museum

Igman Olympic Jumps

Die für die Olympischen Winterspiele in Sarajevo 1986 errichteten Sprungschanzen verfallen bis heute und stehen ziemlich einsam in einem Waldgebiet. Im Winter finden sich hier nur noch einige wenige Skifahrer, außerhalb dieser Zeit einfach nur ein verlassener Ort. Der ehemalige Schiedsrichterturm sowie die Schanzen selbst tragen deutliche Zeigen des Krieges.

Besonders bedrückend das ehemalige Siegerpodest. Während des Krieges wurden hier Exekutionen vorgenommen! Das muss man erstmal verarbeiten. Gebaut und genutzt für den olympischen Gedanken, paar Jahre später wurden dort Gefangene hingestellt und hingerichtet! Spuren davon sieht man heute nur noch indirekt, da es sofort auffällt, dass das Objekt notdürftig frisch „verputzt“ wurde, um die Einschusslöcher und andere Spuren zu verdecken. Aber auch hier wurden teilweise eben nur die Löcher an sich gestopft, daher ist ziemlich genau sichtbar, was geschehen ist.

igman olympic jumps igman olympic jumps igman olympic jumps igman olympic jumps igman olympic jumps

Sarajevo Bobsleigh Track

Die ebenfalls für die Winterspiele ’86 errichtete Bobbahn verfällt wie die Skisprungschanzen seitdem. Die Natur und die Graffitisprayer übernehmen seitdem. Immerhin haben wir nichts grauenvolles darüber gelesen.

sarajevo bobsleigh track

Die restliche Fahrt ging dann nicht ganz nach Srebrenica, weil die Gegend dort kaum touristisch erschlossen ist, sondern in ein Motel in Milici, ca. 30km von Srebrenica entfernt. Super nette Leute dort aber und das etwas mulmige Gefühl verflog recht schnell. 🙂

Die Fahrt war jedoch genau nach unserem Geschmack! Rallye-Feeling made in Bosnia! 🙂

Viele Grüße und bis „morgen“,

Christoph 🙂